Giftsumach Deutschland

Giftsumach (Giftefeu) in Österreich

Für Österreich liegt bis jetzt nur eine einzige offizielle Meldung über Giftsumach (Giftefeu) vor.
2013 errichtete eine Privatperson im Grazer Stadtteil Wetzelsdorf einen Zaun um sein Grundstück und bekam danach Ausschlag an den Händen. Anfänglich hat er als Urheber des Ausschlags, die auf dem Grundstück wachsende Eibe verdächtigt und dem keine weitere Bedeutung mehr geschenkt.

Drei Jahre später im Mai 2016 bekamen auch seine Töchter gleichzeitig einen stark juckenden Ausschlag.
Arme, Hals und Gesicht waren so stark gerötet und angeschwollen, dass man sich sicher war, eine einfache Eibe konnte es nicht gewesen sein, sondern eine andere allergieauslösende Pflanze, die irgendwo auf dem Grundstück wächst. Die Recherche seiner Frau im Internet überführte dann endlich den Übeltäter.

Der Giftsumach trat somit im Juni 2016 zum ersten Mal in Österreich offiziell als eingeschleppter Neophyt in freier Natur in Erscheinung. Ein Novum, was für kurzeitige Aufregung in Graz und einigen österreichischen Medien wie standard.at, krone.at und orf.at führte.
Es handelt sich hier um eine Art mit der wissenschaftlichen Bezeichnung Toxicodendron radicans (L.) O. Kuntze die im englishen Spachraum auch Poison Ivy (Giftefeu) genannt wird.

Giftsumach (Giftefeu) an einem Wanderweg in Österreich
Giftsumach (Giftefeu) an einem Wanderweg in Österreich     Fotos: Karin Polanz

Das Team vom Sicherheitsmanagement und Bevölkerungsschutz der Stadt Graz reagierte umgehend und umfassend. Das betreffende Grundstück wurde abgesperrt, die nähere Umgebung von Spezialisten nach weiteren Pflanzen abgesucht, die Bevölkerung informiert und aufgeklärt und schließlich das Gesundheitsamt und Dermatologen in der Umgebung benachrichtigt.

Giftsumach Fruchtstand (Beeren)
Giftefeu mit Urushiolflecken

Das Grundstück befindet sich direkt an einem beliebten Wanderweg, die Pflanze war ungefähr 80 cm hoch und hatte sich bereits auf ca. 20 m² ausgebreitet.
Ein Hagelschauer hat der Pflanze in den Tagen vor der Beseitigung ordentlich zugesetzt. Man erkennt auf den Blättern deutlich die Beschädigungen der Blätter und die vielen schwarzen Punkte. Es handelt sich um den allergieauslösenden Inhaltstoff Urushiol. Das Urushiol tritt bei Beschädigung der Blattoberfläche nach außen und oxydiert nach wenigen Minuten an der Luft. Dabei verfärbt sich das eigentlich farblose Öl schwarz und ist so leicht zu identifizieren.

Zur Frage, die immer noch im Raum steht, wie der Giftsumach an diese Stelle dort kommt, möchte ich folgend gern meine Gedanken formulieren.
Direkt über dem Standort der Pflanze verläuft eine Strom- oder Telefonleitung. Für Giftsumach ist die Verbreitung der Samen durch Vögel eine sehr häufige Variante und wird hier die wahrscheinlichste sein.

Giftefeu Fruchtstand (Beeren)
Giftefeu Fruchtstand

Irgendein botanischer Garten, Kräuter- oder alter Klostergarten in der Nähe, wird hier die weiße verlockende Beere des Giftsumachs einem Vogel zum Mal angeboten haben. Dieser hat sich dann eine kleine Pause auf dem Kabel gegönnt und es kam was kommen musste. Ein Samen aus dem Verdauungstrakt des Vogels bewegte sich in Richtung zukünftigen Pflanzenstandort.

In Graz gibt es mehrere Klöster. Es ist bekannt, das an solchen Orten häufig Arznei- und Gewürzpflanzen von Ordensschwestern angebaut wurden. Auch der Giftsumach war schon in früheren Zeiten als Heilmittel bekannt und wurde von erfahrenen Ärzten angewendet.

Ein Sachbuch zur Heimatgeschichte der Gegend dokumentiert eindeutig, dass dort in nächster Umgebung des Fundortes auch früher schon Giftsumach wuchs. Damals hat man dieser Pflanze offensichtlich keine weitere Beachtung geschenkt.

Nachdem man sich von Seiten der Stadt für ein komplette Beseitigung und Vernichtung der Pflanze entschlossen hatte, wurde ein ortsansässiges Entsorgungsunternehmen damit beauftragt.
10 Tage nach Bekanntwerden wurde der Giftsumach (Giftefeu) in den früher Morgenstunden mit einem Bagger großzügig ausgegraben. Die Arbeiter, die alle mit Schutzanzügen und Masken der Grazer Feuerwehr ausgestattet waren, sammelten die Pflanzen und die noch in der Erde befindlichen Pflanzenteile mit der Hand ein und bewahrten sie in einem hermetisch abgeschlossenen Container auf. Das kontaminierte Pflanzenmaterial wurde in eine Verbrennungsanlage der Umgebung transportiert und dort vernichtet. Ich gehe davon aus, dass hier eine kontrollierte Hochtemperatur-Verbrennung erfolgte.

Giftsumach (Giftefeu) Beseitigung. Entfernung in Graz/ Österreich
Giftsumach (Giftefeu) Beseitigung     Fotos: Karin Polanz

Es ist bekannt das Urushiol enthaltendes Pflanzenmaterial bei einfacher Verbrennung, zum Beispiel durch offenes Feuer, eine Verteilung der hitzebeständigen Moleküle des Urushiol in der Luft zur Folge hat. Bei Waldbränden mit hohem Giftsumachanteil kommt es in den U.S.A. immer wieder zu einem vermehrten Auftreten der Urushiol-induzierten Kontaktdermatitis bei der Bevölkerung in der Umgebung. Speziell die Feuerwehrmänner werden häufig unfreiwillig Opfer dieser Pflanze.

Ölhaltige Aerosole welche sich durch die Beseitigungsarbeiten überall in der Luft verteilten, wurden abschließend noch mit einem Gemisch von Alkohol und Glycerin gebunden. Die Schutzanzüge wurde vernichtet und die Arbeitsgeräte, wie auch der Bagger schließlich mit einer Lauge gründlich gereinigt. Das gefährliche Öl haftet an Allem womit es in Kontakt kommt und kann auch Wochen später noch seine unangenehme Wirkung zeigen.

Alle durchgeführten Maßnahmen wirken für manche Leser sicherlich hier etwas überdimensioniert. Aufgrund der Lage in einem kommunalen Bereich (Wanderweg) und der direkten Gefährdung der Menschen finde ich, hat die Stadt Graz hier vorbildlich reagiert. Der Umgang mit solch gefährlichen Pflanzen ist in Europa noch Neuland und sollte nicht auf die leichte Schulter genommen werden.

Invasive und vor allem auch noch giftige Pflanzen stellen eine noch unterschätzte Gefahr für die heimische Flora dar und müssen unbedingt überwacht und deren Ausbreitung verhindert werden. Die U.S.A. fängt gerad erst an, aus ihren Fehlern der Vergangenheit zu lernen.


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